Was macht eine Texterin?
Ich nehme manchmal an Unternehmer:innentreffen teil, um dort neue Kontakte zu knüpfen und mein Netzwerk zu erweitern. Dort weiß auch jede:r, dass es darum geht. – Was machst du so? Aha. Und du? – Oft gibt es eine moderierte Vorstellungsrunde, bei der man 1-2 Minuten Zeit hat, um auf den Punkt zu bringen, was man anbietet. Ich denke mir jedes Mal: Schreiben ist keine Raketenwissenschaft und deshalb doch nicht erklärungsbedürftig. Jede:r, die/der in der Schule war, hat schreiben müssen. Also hätte ich es leichter als andere. Trotzdem: Meine Dienstleistungen so einfach wie nur möglich zu beschreiben, fällt mir schwer. Denn meine Arbeit, das Schreiben, Überarbeiten und Lektorieren von Texten, ist ein weites Feld. Was macht eine Texterin genau?
Wo fange ich an?
Was lasse ich unter den Tisch fallen oder hebe ich mir für ein anderes Mal auf? Soll ich aufzählen, welche Art von Texten ich schreibe? Print-Texte für Einladungen, Flyer, Fachartikel oder Online-Texte, also z.B. für Websites, Blogs, Newsletter, Social-Media – langweilig. Oder soll ich lieber erklären, welches Problem ich löse? Das ist für die anderen zwar spannender, zwingt mich aber zu einer Überheblichkeit, die ich nicht mag: „Ich schreibe bessere Texte, formuliere klarere Botschaften, generiere mehr Anfragen“ … typische, tägliche Werbelügen.
Löst mein Friseur das Problem?
Im weitesten Sinne ist meine Arbeit nämlich mit der meines Friseurs vergleichbar. Ich komme zu ihm, weil ich keinen guten Schnitt mehr habe, weil die Haare nicht schön fallen oder weil ich meinen Typ verändern will. Er schaut sich das Ganze an, fährt mir durch das Haar, fragt nach, was ich mir vorstelle. Mein Friseur macht das zwar nicht, denn er lässt sich sowieso nichts dreinreden. Er weiß, was mir steht und was gerade in ist. So beginnt er einfach irgendwo auf meinem Kopf mit seiner Arbeit, während wir über Gott und die Welt quatschen. Ich hatte noch nie das Gefühl, dass er nicht weiß, was er tut. Fachmännisch schneidet er zuerst einmal rundherum, dann kommt das Feintuning und am Ende schaue ich in den Spiegel und denke mir: Super. So soll es sein! Kaum jemand käme auf die Idee, sich die Haare selbst zu schneiden. Jede:r geht zum Friseur, wenn der Zeitpunkt da ist, wo man in den Spiegel schaut und sich sagt: Hilfe, wie schaue ich aus? Es geht keinen Tag länger. Ich muss zum Friseur!
Einmal waschen, schneiden, föhnen
… oder das Schreiben von Texten. Auf den ersten Blick zwei ganz unterschiedliche Tätigkeiten. Und doch geht es in beiden Fällen um Feinarbeit nach Maß. Die einzelnen Wörter sind die Haare und Strähnen, die genau auf die Bedürfnisse und Vorstellungen der Person (der Kund:in) zugeschnitten werden. Das Ergebnis, der „frisierte“ Text, bringt die Botschaft klar auf den Punkt, klingt flott, ist verständlich, aber nicht banal, und animiert zum Weiterlesen. Kurzum, es macht Spaß, ihn zu lesen. Der Mehrwert des neuen Texts ist vergleichbar mit einem fertigen Haarschnitt, bei dem jedes Härchen richtig sitzt. Mit ihm fühlen Sie sich besser, geradezu beschwingt, setzen sich die Sonnenbrille auf und kaufen sich im nächsten Laden ein buntes T-Shirt, das zu Ihrer heiteren Stimmung passt.
Es ist an der Zeit
Wir wissen genau, wann wir zum Friseur gehen müssen. Manche gehen regelmäßig alle paar Wochen, manche achten auf die Mondphasen, manchen führt es der Spiegel schonungslos vor Augen. Mein Friseur ist ein Unikat. Seine Geschichten sind genial und wir reden und blödeln miteinander wie ein „altes“ Ehepaar. Ich schätze seine Expertise.
Denken Sie bei Ihrem nächsten Friseurtermin daran: Nicht nur Ihr Haarschnitt, sondern auch Ihre Texte, die Sie und Ihre Arbeit spiegeln, sollten zu Ihnen passen und Sie glücklich machen. Diese dürfen ruhig ab und zu mal entstaubt, frisch gewaschen, geschnitten, geföhnt und geformt werden. Das mache ich – als Texterin im Schreibatelier Tirol.