Über mich / About you schreiben
Wann nehme ich mir die Zeit, um über mich nachzudenken? Mal zu einem (runden) Geburtstag oder zu Silvester. Das sind so die üblichen Momente, in denen ich mich frage, ob ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Privat und im Beruf. Ob mir mein Leben so passt, wie es ist. Ob ich kurz-, mittel- oder langfristig was ändern sollte oder muss, um weiterhin positiv in die Zukunft blicken zu können.
Website-Text unter Leistungsdruck
Rückblickend betrachtet ist mir dieses Nachdenken intensiv in Erinnerung, wenn ich an das Schreiben der ersten Texte für meine Website denke. Es war ein Tippen und Wieder-Löschen, Tippen – Löschen, das in Zweifel mündete, ob es über mich überhaupt etwas Interessantes zu sagen gebe. Klar, ich hatte hohe Ansprüche. Schließlich ist eine Website öffentlich. Sie führt dazu, dass sich „wildfremde“ Menschen darauf herumtreiben und sich ein Bild von MIR machen. Da wollte ich mich natürlich von meiner besten „Schreibseite“ zeigen. Es musste etwas Besonderes werden, denn so wollte ich mich auch als Texterin präsentieren und positionieren.
Wie schreibe ich eine Über-mich-Seite?
Ich hatte im Vorfeld gut recherchiert, mich durch viele Websites gekämpft und einiges an aktueller einschlägiger Marketing-Literatur durchforstet. Leider machte es das nicht unbedingt leichter. In meinem Kopf wirbelten die Informationen wie wild durcheinander. „Ein gelungener “Über mich”-Text ist **essenziell für jede professionelle Seite**, denn er bietet die Möglichkeit, sich ein Bild von der Person hinter dem Unternehmen zu machen. Es geht darum, **authentisch und ehrlich** zu sein, um das Vertrauen zu stärken.“
Die Lektüre überschrieb, was ich mir selbst über mich zusammengedacht und zurechtgelegt hatte.
Wer bin ich überhaupt?
Ich ärgerte mich. Wie konnte mir das Schreiben, das mir bisher immer leicht von der Hand gegangen war, derart schwerfallen. Vielleicht kennst du das Gefühl von einer wichtigen Bewerbung oder deiner eigenen Website: Du sitzt vor der leeren Seite deines Word-Dokuments und denkst: Wer bin ich überhaupt und was soll ich hier eigentlich erzählen?
Mein Warum
Und dann machte ich es wie immer. Ich versetzte mich gedanklich in genau jene Situationen hinein, die für meine Entscheidung ausschlaggebend waren, mich als Texterin selbstständig zu machen. Meine ersten Lese- und Schreiberfahrungen als Kind: Die glücklichen Stunden, in denen mein Papa mir und meinen Geschwistern im Winter auf der Couch das Große Wilhelm Busch Album vorgelesen hat – wir kannten alle Geschichten in und auswendig. Schließlich das Nachmalen der überdimensionalen Buchstaben in der Schule. Diese Faszination, dass sie, diese Liniengeschöpfe, die für sich alleinstehend schon so perfekt aussahen, sich zu Wörtern, Sätzen, direkten Reden und fesselnden Geschichten zusammenfügen konnten.
Später, nicht zu vergessen: Die Liebe zu „meinen“ Protagonistinnen, mit denen ich mitlebte – wie mit „Pucki, der Försterstochter“ (in 12 Bänden) von Magda Trott – in den ersten Büchern, die ich selbst gelesen hatte.
Du darfst deine Über-mich-Seite jederzeit ändern
Keine Angst, ich hole jetzt nicht noch weiter aus. Du darfst hier und jetzt die erste Version meines Über-mich-Textes lesen. Vor der Lektüre noch eine Anmerkung in eigener Sache: Verzeih mir die „Feldherrin“ und andere, zu diesem Zeitpunkt wenig durchdachte Metaphern – als der Text entstand, war noch Frieden in Europa – und ich weiß auch nicht mehr genau, ob diese Version überhaupt genauso auf der Website stand. Damals habe ich das Archivieren meiner Dateien nicht so genau genommen wie heute.
www.schreibatelier.co.at
Wie ich zur glorreichen Feldherrin wurde
Ich öffne die schwere Holztür, die zurück auf die Straße führt, und fühle mich wie eine Feldherrin nach der gewonnenen Schlacht. Woher ich komme? Vom Vorstellungsgespräch für meinen 1. Texter/innen-Job. „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“, fragt mich der CEO des Start-ups. – „Als Content-Texterin mit eigenem Business…“ höre ich mich – über mich selbst erstaunt – sagen.
Nicht gerade hilfreich, wenn man eine fixe Stelle anstrebt. Da haben Sie recht. Aber dieser eine Satz war mehr. Er war wie das plötzliche Aufklaren des Himmels nach wochenlangem Schmuddelwetter. Intensiv blau, gestochen scharfe Konturen: Die Geburt des strategischen Schlachtplans. Endlich überschreite ich die mir selbst auferlegten Grenzen und artikuliere, was vorher nur vage in meinem Unterbewusstsein existiert hat.
Die Geschichte handelt um …
Wie oft habe ich diese Formulierung in Schüler/innen-Aufsätzen gelesen. Was? Ihnen fällt an dem Satz gar nichts auf? Dann ist es vielleicht ja nur kleinliche I-Tüpftel-Reiterei: Ich schreibe in den Korrekturrand zum x-ten Mal: entweder: … handelt von … oder: … geht es um …
Noch während ich in Rot herumkritzle, erfüllt mich ein einziger Gedanke: Flucht! Ich muss unbedingt noch die Fenster putzen, den Geschirrspüler ausräumen, die Sohlen der Trekkingschuhe vom Dreck des letzten Spaziergangs befreien … Der 30-cm-Stapel schrumpft aber nicht von selbst. Die Zeit drängt, das Wochenende ist schon fast vorbei.
Ein Wagnis: Die Trapez-Nummer
„Was willst du denn sonst machen?“ fragen die Kolleg/innen. „Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich diesen Job nicht noch 17 Jahre machen will.“ Ich habe mich entschieden: Ich lasse das eine – sicher in der Hand liegende – Trapez aus, obwohl ich nicht weiß, ob ich ein anderes zu fassen bekomme. Aber: Mein Sicherheitsnetz spannt sich aus und ich erkenne:
Wofür ich (eigentlich) brenne
Wie ein Kind, das mit bunten Legosteinen etwas baut und sich gleichzeitig in eine eigene Welt hievt. Ich schaffe etwas Neues, erfreue mich am bunten Treiben der Buchstaben, die sich zu Sätzen und Absätzen formieren. Dieser Flow macht glücklich und zufrieden.
Beim Texten ist es so ähnlich: Ich spüre das Knirschen des Schnees und die grenzenlose Freiheit bei der ersten Abfahrt auf einer frisch präparierten, menschenleeren Piste und durchlebe nochmals den Schmerz, den ich spürte, als ich meinen geliebten Labrador Ejengi nach nur 7,5 gemeinsamen Jahren wegen eines Tumors einschläfern lassen musste.
Anders als beim Reden habe ich beim Schreiben viel mehr Zeit zum Nachdenken. Ich ringe um das passende Wort oder eine gute Überschrift, feile an der Formulierung. Das fordert & fesselt, sodass ich dabei schon mal auf das Essen vergesse. Das macht aber nichts, denn regelmäßig passiert ein kleines Wunder: ein fertiger Text. Überrascht und fasziniert sitze ich vor diesem Konstrukt, das sich selbst neu erfunden hat.
Plötzlich ist es … umwerfend einfach
Die Worte entfalten genau in dieser Kombination ihre volle Wucht und Schönheit. Gleichzeitig machen sie aus mir wieder das Volkschulkind, das fasziniert überdimensionale Buchstaben malt und diese zu bunten Sinnketten auffädelt. Es weiß noch nicht, dass genau diese Fähigkeit es zur Feldherrin der Zukunft machen.
Mut & Vertrauen
Ein paar Absätze auf meiner aktuellen Über-mich-Seite wirst du wahrscheinlich wiedererkennen. Demnächst wird es wieder eine ganz neue Version geben. Ich freue mich über deinen Besuch und wünsche dir gutes Gelingen für deine eigenen Texte. Kein „KI-Walter“ und keine „KI-Marie“ schreiben so gut über DICH, wie DU selbst es kannst.
Spitze die Ohren, hör in dich hinein und tippe, was das Zeug hält.