Schreibangst

Schreibangst

Ich habe eine sehr gute Freundin. Sie kennt sich aus mit und in der Literatur. Sie weiß viel darüber, wie man Schreiben lehrt und lernt und … sie hat sich bereiterklärt, hier in meinem Blog laut über das Schreiben nachzudenken. Danke, Ulrike Lang-Natale, für deinen 1. Gastbeitrag zum Thema „Schreibangst“.

Schreibangst: Wie lässt sie sich überwinden?

Ich sitze vor meinem Laptop, um zu schreiben – um über das Schreiben zu schreiben. Ich zögere, weil ich mir nicht sicher bin, ob meine Art, Gedanken in Worten auszudrücken, Gefallen findet oder Interesse weckt. Ob sie berührt, neugierig macht und den Kriterien eines guten Schreibstils entspricht. Schreiben ist etwas sehr Persönliches; es gibt viel von dem preis, was mich ausmacht. Jedes Wort, das ich zu Papier bringe, ist mit meinen Erfahrungen, meinem Wissen und meinen Emotionen verknüpft – mit prägenden Erinnerungen, die mein Schreiben geformt haben und nachwirken. Diese Bedenken lassen mich immer und immer wieder an mir selbst, an anderen und an der Welt zweifeln. Und am Schreiben … sie ist da, die Schreibangst.

Ein Tagebuch als Lösung?

Doch braucht es diese Überlegungen überhaupt? Soll ich nicht einfach nur für mich selbst schreiben? Eine Art Tagebuch erstellen, das nur und ausschließlich für mich bestimmt ist? Ein Zwiegespräch zwischen mir und mir? Das ich dann ganz sicher für niemanden zugänglich mache – weder jetzt noch später noch irgendwann? Um mich zu schützen und mich völlig ungehemmt meinem Schreibfluss hingeben zu können?

Denn seien wir ehrlich: Es ist doch eigentlich schon alles gesagt, geschrieben, dokumentiert und archiviert worden. Und um Klassen besser, als ich es je könnte – oder nicht?

Die Blase

Gut. Diese rhetorische Frage lässt sich leicht beantworten … und während ich nun dabei bin, ein “JA” meiner Tastatur abzuringen, zwängt sich ein Begriff zwischen die Buchstabenreihen – unbequem, unschön, hartnäckig. Er beginnt mit „B“ und endet mit „E“, ein „L“ gesellt sich dazu, gefolgt von einem „A“. Fehlt noch das „S“. Voilà – hier ist sie: die BLASE.

Sie ploppt auf. Wie ein Kaugummi. Deckt alles zu und lässt keine Zwischenräume offen. Sie dreht sich um ihre eigene Mitte. Sie kennt nur sich selbst und wächst und wächst – weil da niemand ist … wie im Tagebuch.

Es fühlt sich angenehm an. Ich bin meine eigene Kritikerin – ich lobe mich, ich tadle mich, ich korrigiere mich, ich schreibe mir vieles von der Seele. Ich fühle mich sicher, geschützt, unangreifbar.

Nur: Zeige ich mich so als Mensch?

Eine Brücke bauen

Ist Schreiben nicht auch eine Form des Brückenbauens und des Verbindens?

Ich habe mich entschieden – gegen die Blase und für den Blog – denn Schreiben bedeutet Kommunizieren und Sich-für-die-Welt-Öffnen. Selbst mit dem Risiko, nicht immer zu genügen … und das heißt LEBEN. Und das Tagebuch? Es liegt griffbereit neben mir.

 

Bild zum Beitrag von Suzy Hazelwood (pexels)

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