Wie schreibe ich einen Liebesbrief?
Ich überlege gerade, wann ich das erste Mal so etwas Ähnliches wie einen Liebesbrief geschrieben habe, der diesen Namen verdient. Puh. Das ist lange her. Ich war 17 Jahre alt und nahm im Sommer vor meiner Französisch-Matura mit einer Schulkollegin an einem 4-wöchigen Sprachintensivkurs in Tours teil. Dort befreundeten wir uns mit jungen Locals, die sich täglich in einer Bar zum „Monaco“-Trinken, einem Bier mit Grenadine-Sirup, trafen.
Liebesbriefe auf Französisch
Wieder daheim angekommen, erhielt ich den ersten leidenschaftlichen „lettre d’amour“ aus Frankreich: Je t‘ adore. Je t‘ aime plus que mon vie … Ich antwortete natürlich auf Französisch. Anfangs gefielen mir diese Sätze: Allerdings – meine Antworten fielen deutlich unterkühlter aus als die meines „poète amoureux“, denn solch heiße Liebesschwüre machten meinem jugendlichen Herzen Angst. Ich wollte unter allen Umständen vermeiden, dass sich der offenkundig verliebte Franzose ins Auto oder in einen Zug setzt und bei mir an die Türe klopft.
Ein Kuss aus der Ferne
Und doch, soweit ich mich zurückerinnere, ist es mir damals und in den darauffolgenden Jahren nicht schwergefallen, auf Liebesbriefe zu antworten bzw. eigene zu schreiben. Heute – fast 40 Jahre später – schreibe ich keine Liebesbriefe mehr. Das sollte ich ändern!
Mein letzter von Hand verfasster liegt ebenfalls lange zurück. Er war Teil eines schönen Briefwechsels in einer großen, unerfüllten Liebe – einer Liebe, die damals nicht gelebt werden konnte. Sie fand ihren Ausdruck fast ausschließlich in diesen Briefen. Darin war ihre Tiefe am intensivsten zu spüren. Ich hatte sogar ein eigenes Postfach angemietet, um die Briefe vor fremden Blicken zu schützen und ganz für mich zu haben. Jeder neue Brief war ein Feuerwerk an Emotionen. Jedes Wort wie ein sanfter Kuss, wie eine Umarmung aus der Ferne. Eine aus Worten geformte Sehnsucht nach Nähe, nach Gemeinsamkeit. Schmerzhaft schön.
Briefwechsel zwischen Liebenden
Ich verstehe es, dass Liebende ihre Briefe oft ihr ganzes Leben lang an geheimen Orten aufbewahren und wie einen Schatz hüten. Schließlich beschreiben sie Momente tiefster Empfindungen: Ein Mensch öffnet sich einem anderen und lässt ihn ganz in sein Innerstes blicken. Und so wird ein intimes Zwiegespräch auch für andere zugänglich. Deshalb üben publizierte Briefwechsel wie z.B. „Herzzeit“, der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, eine besondere Faszination auf mich aus.
Anleitung: So schreibe ich einen Liebesbrief
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Der Einstieg: Wie fange ich an?
Als möglicher Einstieg wäre z.B. denkbar, dass ich mir die letzte schöne Situation mit der geliebten Person ins Gedächtnis rufe und diese Stimmung genau beschreibe. Was war besonders an dem Zusammensein? Wie habe ich mich gefühlt? Aufgeregt, glücklich, beschwingt, traurig, nachdenklich? Was hat mich an meinem Gegenüber am meisten fasziniert? Seine Augen, sein Lächeln, sein zärtlicher Blick? Wann war das Highlight der Begegnung?
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Die Fortsetzung: Dankbarkeit & Glück ausdrücken
Im Anschluss daran würde ich mich auf die bisher verbrachte gemeinsame Zeit konzentrieren. Meine Dankbarkeit und Freude über besondere Charaktereigenschaften der geliebten Person zum Ausdruck bringen und sie wissen lassen, wie sehr sie mein Leben positiv verändert. Wie glücklich mich unsere Beziehung macht.
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Gemeinsam statt einsam
Und dazu gehört auch das schöne Gefühl, gemeinsam und nicht einsam zu sein. Doch wie drücke ich das am besten aus? Dabei könnten Überlegungen zu folgende Fragen hilfreich sein: Bei welchen Aktivitäten bin ich froh, dass wir sie gemeinsam erleben können und daraus einen Mehrwert ziehen? Worüber freue ich mich am meisten, wenn wir zusammen sind? Was macht unsere Partnerschaft aus? Was würde mir fehlen, wenn ich dich nicht mehr hätte? Wann fehlst du mir am meisten?
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Wie geht’s weiter: Unsere Beziehung – unsere Zukunft
Diese Gedanken lassen sich gut zu Papier bringen, indem ich u.a. einzelne Aspekte aufgreife, die besonders wertvoll für das Funktionieren unserer Partnerschaft sind. Was schweißt uns zusammen? Welche schwierigen Situationen haben wir gemeinsam bereits gemeistert? Was liegt noch vor uns? Worauf können wir uns auch in Zukunft freuen? Wie stelle ich mir die nächsten Wochen, Monate, Jahre vor. Worauf kannst du dich bei mir auf alle Fälle verlassen? Was kann ich dir versprechen? Was ist mir unsere Liebe wert? Was bedeutest du mir?
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Schluss: Ich liebe dich.
(+ optionale Ergänzung mit einem konkreten persönlichen Vergleich, der eine „geheime“ Verbindung zwischen mir und meinem Gegenüber anspricht). Es muss ja nicht gleich „mehr als mein Leben“ wie in den französischen Liebesbriefen aus meiner Jugend sein. Das würde mir auch heute noch Angst machen.
Selbst Liebesbriefe schreiben
Hast du, liebe/r Leser/in, Lust bekommen, für deine/n Liebste/n einen persönlichen Liebesbrief zu schreiben? Auf einem schönen Papier. Vielleicht mit einer edlen Füllfeder. Handgeschrieben. Dazu ein fein parfümiertes Kuvert …
Dann steht deinem „lettre d’amour“ nichts mehr im Weg!
Mein persönlicher Tipp: Verzichte auf KI-Unterstützung!